10.08.2018 - Ausgabe Nr. 1497

Obstbauverband Mostviertel warnt vor Preisverfall und Personalmangel



Die Wetterbedingungen waren heuer für das heimische Obst geradezu hervorragend, berichtet der Geschäftsführer des Obstbauverbandes Mostviertel Andreas Ennser dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Er rechnet mit einer überdurchschnittlich guten Ernte. „Auf Grund der günstigen Witterung vor allem im Frühjahr könnte heuer die Ernte früher beginnen, also mit Ende August“, meint er. Wenn alle Faktoren, wie etwa das Wetter, noch mitspielen, könne man von mehr als 12.000 Tonnen ausgehen. Doch genau das könnte der Grund sein, dass Großabnehmer versuchen, die Obstpreise zu drücken. „Ich appelliere daher, trotz der zu erwartenden hohen Mengen den Preis stabil zu halten. Das heißt, nicht unter 100 Euro pro Tonne zu gehen. Denn die heurige Ernte wird sich mit Sicherheit durch eine hohe Qualität auszeichnen“, sagt Andreas Ennser.

Derzeit besteht der Obstverband aus mehr als 140 Mitgliedern, die das Obst verarbeiten und auch direkt vermarkten. Angesprochen auf die Wetterkapriolen meint der Experte: „Die Obstbauern arbeiten wie die meisten anderen landwirtschaftlichen Produzenten in und mit der Natur. Da gibt es immer wieder Situationen, die eine Anpassung erfordern bzw. die man bewältigen muss. Das heißt, es gibt nicht jedes Jahr das ganze Sorten-Sortiment.“ Das Jahr 2018 sei allerdings eine Ausnahme, was im kommenden Jahr zu erwarten sei, wäre hingegen eine andere Geschichte.

Als größte Sorge der Branche in der Zukunft zeichnet sich neben dem Absterben vieler sehr alten Bäume - die meisten sind mehr als 150 Jahre alt - ein drohender Personalmangel für das Einbringen der Ernte ab. „Schon jetzt bleiben oft Birnen unter vielen Bäumen liegen, da man die Ernte zum Großteil nur per Handarbeit einholen kann. Die Mechanisierung ist zwar möglich und auch vorhanden, gestaltet sich aber auch nicht immer einfach und ist zudem teuer. Das muss man mit dem Obst erst verdienen“, stellt Ennser fest. Vielen Betrieben fehlt es an Personal, das bereit ist, bei der Ernte zu helfen. „Heuer wird es besonders schlimm werden, weil wir ja Birnen, Äpfel und Zwetschken in Hülle und Fülle haben“, betont der Geschäftsführer des Obstbauverbandes.

Daher sei ein stabiler Obstpreis essenziell. „Erhält der Landwirt für sein Produkt einen gerechten Preis, wird er nämlich das Obst ernten und die Bäumer auch pflegen und erhalten. Ansonsten werden wieder Bäume fallen und unser Kulturgut langsam verschwinden“, erklärt er und mahnt: „Es muss uns allen bewusst sein, dass nicht jeder Landwirt gleichzeitig auch Direktvermarkter ist, und so liegt es auch an den Partnern, die den Rohstoff Obst abnehmen, sich für die Obstbauern einzusetzen, regional zu denken und fair zu handeln.“ Es helfe nichts, immer nur darüber zu reden. Jetzt bestehe die Chance, Taten zu setzen. „Und auch die Konsumenten haben es in der Hand“, so Ennser, „ein deutliches Zeichen für Regionalität und Saisonalität zu setzen. Denn die heimischen Obstbauern arbeiten mit viel Herz, Innovation und Können.“ (dsh)

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