10.08.2018 - Ausgabe Nr. 1497

Heimische Druckereien setzen auf Qualität und Netzwerke



Trotz der Strukturbereinigung, die auch einige Insolvenzen und Betriebsschließungen mit sich gebracht hat, blickt die Druckbranche in Niederösterreich optimistisch in die Zukunft. „Das Gedruckte wird jedenfalls Zukunft haben. Haptik ist wichtig und kann durch nichts ersetzt werden. Ein gedrucktes Buch zu lesen, ist ein anderes Erlebnis als ein E-Book. Und eine gedruckte Zeitung zu lesen, etwas anderes, als am iPhone zu lesen“, stellt Katja Erhart-Viertlmayr, Obfrau der Fachgruppe Druck der NÖ Wirtschaftskammer, gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst fest

In Niederösterreich besteht derzeit die Druckereibranche aus 183 Mitgliedsbetrieben, die 1.579 Mitarbeiter beschäftigen und 115 Lehrlinge ausbilden. „Der Branchenumsatz belief sich in Österreich auf rund 1,6 Milliarden Euro und ist damit stabil geblieben. Eine ähnliche Zahl ist auch für heuer zu erwarten, denn gute Druckleistungen werden von den Kunden immer honoriert“, sagt Katja Erhart-Viertlmayr. Probleme hingegen ortet sie bei den Subaufträgen. „Auftraggeber achten nicht immer darauf, in welchem Land gedruckt wird“, meint sie. Über Subaufträge werde im Ausland gedruckt, was aber aus dem Impressum nicht immer hervorgehe. Es sei daher essenziell, dass Auftraggeber darauf achten, dass in Österreich gedruckt wird. Denn hier werde hervorragende Druckqualität geboten und die Wertschöpfung bleibe im Land.

Von der türkis-blauen Bundesregierung erwartet sich die niederösterreichische Druckbranche bessere Rahmenbedingungen, die dem Wirtschaftsstandort Österreich und damit auch in Niederösterreich helfen. Als Beispiel nennt Katja Erhart-Viertlmayr Betriebsanlagengenehmigungen, wo man zu einem identen Sachverhalt oft unterschiedliche behördliche Auskünfte bekomme. „Ich erwarte mir von der Regierung“, sagt sie, „dass sie die von ihr angekündigte Entbürokratisierung auch durchsetzt. Rund 2.500 nicht mehr benötigte Gesetze und Verordnungen sollen offenbar ersatzlos gestrichen werden, weil sie nicht mehr relevant sind.“

Auch gegen unnötiges Gold-Plating bei EU-Vorgaben wendet sie sich. Es gelte, Gesetze verständlicher zu formulieren und „unsere Rechtsordnung zu entrümpeln.“ Auch das öffentliche Ausschreibungswesen hat sie im Visier. Der Ablauf des Verfahrens sei oft zeitraubend und für kleine Druckereien wenig attraktiv. „Die ausschreibenden Stellen sollten die Texte so verfassen, dass man als mittelständische Druckerei auch ohne einen auf Vergaberecht spezialisierten Anwalt mitmachen kann“, sagt die Obfrau der niederösterreichischen Druckereien.

Ein wichtiger Teil der Aufgaben der Wirtschaftskammer ist nicht zuletzt das Mitgliederservice. Da geht es vor allem um Fortbildung, interne Vernetzung und öffentliches Auftreten. „Wir als Fachgruppe bieten Seminare sowie Workshops an und versuchen, unsere Betriebe zu unterstützen, was uns etwa bei der Datenschutzgrundverordnung ganz gut gelungen ist“, stellt Erhart-Viertlmayr fest. „Es ist mir auch ein Anliegen, bei den Mitgliedern vor Ort herauszufinden, wo der Schuh drückt. Daher mache ich regelmäßig Firmenbesuche. Auch Branchenreisen, wie heuer nach Mazedonien, tragen dazu bei, neue Erkenntnisse für die Branche zu gewinnen. Und partnerschaftliche Modelle sind wichtig, weil man damit strukturelle Kosten niedrig halten kann.“ (dsh)

www.druck.or.at

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