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14.02.2020 - Ausgabe Nr. 1575

Viele möchten Fremdenführer sein, aber nur wenige Geführte zahlen dafür



Am 22. und 23. Februar ist es wieder so weit. Am Tag der Fremdenführer laden diese zu Gratisführungen in acht Orten in Niederösterreich ein. „Im letzten Jahr zeigten 21 engagierte austriaguides in zehn verschiedenen Städten und Orten Niederösterreichs mit insgesamt 30 Gratisführungen die Besonderheiten ihrer Heimat. Rund 1.110 Gäste haben daran teilgenommen, so viele wie noch nie zuvor“, teilt Brigitta Pavlovic, Branchensprecherin der Fremdenführer in der NÖ Wirtschaftskammer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit. Wehmütig merkt sie jedoch an: „140 Leute kamen beispielsweise zur Gratisführung in Bruck an der Leitha. Als wir einige Zeit später kostenpflichtige Führungen angeboten haben, meldeten sich gerade einmal vier bis acht Personen.“

Die Ausbildung zum Fremdenführer kostet rund 5.000 Euro. Das Interesse daran ist zwar vorhanden, aber nur in der Wachau können Fremdenführer in Niederösterreich davon leben. Denn alle anderen sind auf Wien angewiesen. „In Wien werden 150 bis 210 Euro pro Führung verrechnet, in Niederösterreich zwischen 100 und 120 Euro“, so Pavlovic. „Dazu kommt: Die Regionen, die besucht werden, brauchen oft viele Jahre, um sich zu etablieren. Und das ist gerade in Niederösterreich ein Problem. Welcher Schiffstourist, der in Wien an Land geht, macht einen Tagesausflug nach Mistelbach? Das wird von den Reiseveranstaltern gar nicht angeboten.“ Aber selbst Klosterneuburg mit seiner nur geringen Distanz zu Wien gelänge es nicht, so viele Besucher anzulocken wie gewünscht. Immerhin habe das Stift Göttweig in den letzten Jahren dazu gewonnen.

Als wichtigstes Anliegen der Branche im gesamten Bundesgebiet nennt Pavlovic die gewerberechtliche Situation. „In vielen Gemeinden sind geschichtsinteressierte Personen unterwegs, die zwar durchaus ein - allerdings meist auf ihr Gebiet eingeschränktes - Fachwissen haben, aber nicht geprüft sind und kein angemeldetes Gewerbe ausüben“, so Pavlovic. Deshalb haben die Branchenvertreter im Zuge der NÖ Landesausstellung in Wiener Neustadt einen neuen Weg gewählt, den alle Beteiligten gutheißen. Die von der Stadtgemeinde geforderten Führungen, die mehrmals täglich stattfinden sollten, waren in dieser Größenordnung für die aktiven austriaguides nicht machbar. „Darum hat die Wirtschaftskammer eine Ausbildung gestartet, die mit einer individuellen Befähigung für Wiener Neustadt Rechtssicherheit schafft.

Die Branche ist jedenfalls bemüht, Gäste und Einheimische für Führungen zu gewinnen. So werden seit mittlerweile drei Jahren in sämtlichen Regionen Niederösterreichs in Städten fixe Führungen angeboten. „Rund um Wien, vor allem in der Region Baden und Mödling, ist das Angebot groß“, sagt Brigitta Pavlovic. „Kaum etwas hingegen können wir im Waldviertel zeigen. Dort haben wir nur wenige geprüfte Fremdenführer und Fremdeführerinnen.“ Weil dort auch die Nachfrage sehr gering ist, will sie die Gemeinden einbinden. „Fein wäre es“, so Pavlovic, „wenn diese ihre diesbezüglichen Wünsche uns bekannt geben würden. Unsere geprüften Fachkräfte sind umfassend ausgebildet und werden auch regelmäßig weitergebildet“, so Pavlovic. (jm)

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http://www.wko.at/branchen/noe/tourismus-freizeitwirtschaft/freizeit-sportbetriebe/NOe_Fremdenfuehrer1.html

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