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26.06.2020 - Ausgabe Nr. 1594

Maßnahmen kommen acht Wochen zu spät: Events finden nicht mehr statt



Veranstaltungen leiden coronabedingt weiterhin - auch wenn die Politik immer mehr Zugeständnisse macht. „Wenn Menschen sitzen, dürfen sie zu Veranstaltungen gehen - im Herbst sogar bis 10.000, während 90 Prozent der Veranstaltungen, an denen die Besucher stehend teilnehmen, überhaupt nicht berücksichtigt werden“, stellt Franz Rauchenberger, Fachgruppengeschäftsführer in der Wirtschaftskammer Niederösterreich, Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst fest.

Gert Zaunbauer, Obmann des Fachverbandes Freizeit- und Sportbetriebe, setzt nach: „Diese Maßnahme ist lieb und nett, aber was hat sich denn in den letzten Tagen geändert, dass sie erst jetzt kommt? Sie kommt viel zu spät. Anfang Mai hätte es noch Lösungen gegeben. Jetzt finden einfach keine Veranstaltungen mehr statt - in manchen Fällen bis ins Frühjahr 2021 hinein.“

Ein Grund ist das fehlende Geld. Wenn es um öffentliche Veranstaltungen geht, also um solche, die das breite Publikum ansprechen, stehen in der Regel die Kommunen im Hintergrund und gerade diese haben überhaupt kein Geld. Am ehesten möglich sind derlei Veranstaltungen noch Vereinen, wie etwa Feuerwehrfeste, die eine gewisse Bevorzugung genießen, da in diesem Fall in der Regel weniger Auflagen zu erfüllen sind. Betriebe, die eine öffentliche Veranstaltung organisieren wollen und um eine finanzielle Unterstützung ansuchen, werden bei den Gemeinden abblitzen. „Die besonders wichtige Säule bei Veranstaltungen, das Sponsoring, ist tot. Es ist kein Marketingbudget vorhanden“, sagt Zaunbauer.

Ähnlich drastisch ist die Stimmung in den Firmen. Sämtliche Events sind storniert worden, viele davon erst in den letzten Wochen. US-amerikanische Konzerne lassen aktuell nicht einmal Seminare mit mehr als zehn Teilnehmern zu. Obmann Zaunbauer, der für 44 Berufsfelder zuständig ist, sieht auch auf regionaler Ebene nur geringe Chancen für eine Wende.

Eine Möglichkeit hingegen, die sich gerade in Niederösterreich eröffne, sei das Zusammenspiel von Tourismus, Gastronomie, Top-Ausflugszielen und der NÖ Werbung, so Zaunbauer: „Die Menschen brauchen nicht nur ein feines Hotel oder Gasthaus mit einem guten Essen. Das funktioniert überall. Die Gäste wollen auch Ereignisse, die ein besonderes Erlebnis sind. Das wollen wir unseren Gästen in Niederösterreich im Rahmen der aktuellen Gesetze auch bieten.“

Unter den Ideen, die es gibt, nennt Zaunbauer den geplanten Mittelalter-Markt in Mödling. Er soll im August Menschen in die Stadt bringen. Schließlich seien Märkte erlaubt und Anlass, weshalb jemand in eine bestimmte Gegend komme. Als weitere Beispiele führt er die niederösterreichischen Schaugärten an, wo beim Eingang Schausteller, die sich momentan in einer außerordentlichen finanziellen Notsituation befinden, auftreten und den Gartenbesuch aufwerten können. Oder Beispiel Ringelspiel, das an einem Top-Ausflugsziel aufgestellt wird.

In einer Grundsatzfrage appelliert Gert Zaunbauer an die politischen Entscheidungsträger, einen Reformschritt zu machen: „In Österreich gibt es neun Veranstaltungsgesetze. In Wien sind ganz enge Auflagen vorgesehen, während in Niederösterreich alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, endlich eine einheitliche Regelung zu schaffen, die Veranstaltungen kostengünstiger organisierbar macht. Dann wird es hoffentlich auch bürokratisch einfacher sein, bundesländerübergreifend Events zu organisieren“, so Gert Zaunbauer. „Wir wollen, dass das vermeintlich Unmögliche möglich wird. Schließlich ist das zuletzt beim Jugendschutz gelungen - warum nicht auch im Veranstaltungswesen?“ (jm)

http://wko.at/noe/tf

http://www.eventnet.at


































































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