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23.10.2020 - Ausgabe Nr. 1610

Das Corona-Virus löst auch im Bestattungswesen einen Handlungsbedarf aus



„Uns hat Corona im Jahr 2020 wesentlich begleitet“, erklärt Katharina Strack-Dewanger, Innungsmeisterin der Bestatter Niederösterreich in der NÖ Wirtschaftskammer, in einem aktuellen Lagebericht dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Es ging um die Frage, welche Hygienemaßnahmen bei infektiös Verstorbenen anzuwenden sind. Hier gibt es mittlerweile genaue Anweisungen der AGES und der WHO. Da geht es um Maßnahmen, wie Schutzanzüge oder Hygienebrillen. Diese haben wir mittlerweile als Innung unseren Mitgliedern in ausreichendem Maß zur Verfügung stellen können“, berichtet sie.

Thema ist natürlich auch die oft sich verändernde Zahl der Menschen gewesen, die Begräbnisse besuchen durften. „Vor allem im Lockdown mussten wir viel leisten, weil es für viele schwierig war, wenn sie sich nicht haben verabschieden können“, so die Innungsmeisterin. Damals hätten sich Angehörige bewusst für eine Feuerbestattung entschieden, weil sie darin die Möglichkeit sahen, die Verabschiedung zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

Feuerbestattungen liegen ohnedies im Trend. Im Jahr 2019 waren ihr Anteil in Niederösterreich 30,5 Prozent. „Ich gehe davon aus, dass er heuer höher ausfallen wird“, sagt Strack-Dewanger. Allerdings ist in Niederösterreich der Anteil der Erdbestattungen mit knapp unter 70 Prozent noch immer sehr hoch im nationalen und internationalen Vergleich. „In der Schweiz sind dies nur mehr rund 15 Prozent“, so die Innungsmeisterin. Die Zahl der in Niederösterreich jedes Jahr Verstorbenen liegt bei rund 17.000 und ist in etwa gleich hoch wie in den letzten Jahren. Die Zahl jener, die heuer bisher in Niederösterreich an Corona oder mit Verdacht darauf verstorben sind, liegt bei etwa 130.

Damit die Bestatter auch weiterhin ihre Arbeit gut verrichten können, wendet sich die Innungsmeisterin mit Forderungen an die politischen Entscheidungsträger. So verlangt sie, dass Bestatter als Schlüsselpersonal anerkannt werden. Dann dürfen sie nämlich bei einem negativen Covid19-Test sofort wieder arbeiten.

Darüber hinaus setzt sich Katharina Strack-Dewanger dafür ein, dass die Totenbeschau im Bundesland Niederösterreich neu geregelt wird. „Ziel muss sein“, sagt sie, „dass die Angehörigen entlastet und unterstützt werden. Das passiert durch rasches Handeln. In Wien beispielsweise gibt es eine zentrale Totenbeschau - da ist immer jemand da. Das meine ich mit unterstützend da sein für jene, die gerade eine sehr schwere Zeit durchmachen.“ (jm)

http://wko.at/noe/bestatter

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