18.01.2008 - Ausgabe Nr. 951

Computerspiel aus NÖ wurde zum weltweiten Renner


Ein in Pressbaum im Wienerwald entwickeltes Computerspiel erweist sich weltweit als Renner. Mittlerweile tummeln sich 20.000 Personen im virtuellen Orbit von "Pardus", einem sogenannten "Browser-Spiel", entwickelt von den findigen TU-Studenten Werner Bayer und Michael Szell...




Ein in Pressbaum im Wienerwald entwickeltes Computerspiel erweist sich weltweit als Renner. Mittlerweile tummeln sich 20.000 Personen im virtuellen Orbit von "Pardus", einem sogenannten "Browser-Spiel", entwickelt von den findigen TU-Studenten Werner Bayer und Michael Szell. Mit einem derart großen Erfolg hatten die ehemaligen Volksschulkameraden nicht gerechnet; jetzt gilt es, eine weltumspannende Spielergemeinde bei Laune zu halten - und das schlummernde kommerzielle Potential des Computerspiels auszuloten.

"Pardus kann von jedem auf der ganzen Welt gespielt werden. Alles was man dazu braucht, ist ein Internetzugang", verrät der 24jährige Spielevater Szell dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Es muss keine spezielle Software heruntergeladen werden, selbst schwache Rechner mit veralteten Graphiksystemen kommen bei Pardus nicht in Schwierigkeiten. Erfinder und Dauerprogrammierer Szell ist mittlerweile seit gut einem Monat promovierter Technischer Mathematiker und gilt als "Schöpfer" oder "Gott" von Pardus, wie er ehrfurchtsvoll von seiner "Weltall-Gemeinde" bezeichnet wird.

Der unerwartete Erfolg begann im Sommer 2003, als ambitionierte Informatikstudenten rund um die Pressbaumer Brüder Werner und Ulrich Bayer ihre Idee, ein komplexes, aber benutzerfreundliches, interaktives Computerspiel zu entwickeln, in die Tat umzusetzen begannen. "Alle anderen ?Browser-Spiele', wie etwa das deutsche ?OGame' oder das skandinavische ?Planetarion' mit jeweils mehreren hunderttausend Kunden, haben wir als zu simpel und langweilig erlebt. So haben wir in einem Zeitraum von vier Jahren ein eigenes, riesiges, dynamisches Weltraum-System kreiert", berichtet Szell. "Bei unserem Spiel gibt es kein ?Ziel'; es geht vielmehr um die Interaktion zwischen den Spielern, die in Identitäten wie Piraten, Kopfgeldjäger oder Händler schlüpfen können und miteinander Allianzen und riesige Wirtschaftssysteme erschaffen können. Wir Erfinder betrachten uns als das "galaktische Konzil" und beobachten das Treiben", erklärt der Mathematiker.

Pardus, das sind rund vier Megabyte Code - also vier Millionen Zeichen, 50 Zeichen pro Zeile, 80.000 Zeilen Computersprache und unzählige Arbeitsstunden an den Tastaturen. "Wir haben oft mehrere Tage durchgearbeitet und sind nicht selten während des Schreibens erschöpft eingeschlafen", erinnert sich Szell. Doch der Aufwand hat sich ganz offenbar gelohnt: Als Pardus, was lateinisch für "Panther" steht, und von den "Schöpfern" nur zufällig aus dem Lateinwörterbuch ausgewählt wurde - "weil es gut klingt" - im September 2004 ins weltweite Netz "gefeuert" wurde, haben sich sogleich ein paar tausend Neugierige ins neu eröffnete virtuelle Weltall aufgemacht.

Bis September 2006 wuchs die Orbit-Gemeinde, die zu 90 Prozent aus männlichen Erdenmenschen besteht, im bis dahin völlig kostenlos bereitgestellten Spiel stetig an. 60 Prozent der Benutzer von Pardus leben in den USA, 20 Prozent in Großbritannien, zehn Prozent in Deutschland und Österreich. "Der Rest ist über den Erdball verstreut, sogar in Malaysia haben wir Mitspieler. Die Weltraumreisenden treffen sich regelmäßig in Chicago, London oder in Wien, ganz real. Unser Spiel verbindet Menschen miteinander. Es ist ein riesiges soziales Miteinander und funktioniert mit Intelligenz und Taktik. Pardus ist sozusagen das Schach unter den Computerspielen", freut sich Szell.

Seit gut einem Jahr haben sich Gründer Werner Bayer und Michael Szell mit ihrem Spiel selbständig gemacht. Die beiden Jungunternehmer konnten bereits 1.400 Anhänger als zahlende Kunden gewinnen. Mit drei Euro pro Monat erhalten diese "Premium-Mitglieder" ein etwas besseres Service und dürfen, wenn sie wollen, ein eigenes Universum beherrschen. Für alle anderen bleibt Pardus nach wie vor ein kostenloses Abenteuer, "für das man täglich nicht mehr als zehn Minuten Zeit investieren muss und das sich locker in einer kurzen Mittagspause ausgeht". (lies)

http://www.pardus.at

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