6.08.2010 - Ausgabe Nr. 1083

Gneixendorf - ein Schatz, der kaum bekannt ist



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 Maria Gettinger im chinesischen Fernsehen
Das Beethoven-Haus in Gneixendorf

Die kleine Ortschaft Gneixendorf bei Krems beherbergt einen Schatz, der kaum bekannt ist - das Beethoven-Haus, das Beethoven 1826 - im letzten Herbst seines Lebens - bewohnt hat. Er komponierte dort das Streichquartett Op. 126 und machte an seiner 9. Symphonie noch ergänzende Metronom-Eintragungen. Am 2. November 1826 verließ er Gneixendorf und fuhr bei Winterwetter in einem offenen Milchwagen nach Wien. Eine mühsame, mehr als ganztägige Reise, bei der sich Beethoven eine schwere Erkältung zuzog, die schließlich am 27. März 1827 zu seinem Tod in seiner letzten Wohnung in der Wiener Schwarzspanierstraße führte.

Das Haus in Gneixendorf steht heute im Eigentum der Weinhauerfamilie Gettinger und wird von Frau Maria Gettinger liebevoll gepflegt. Bei ihren Führungen zeigt sie die Wohnung im 1. Stock, die Beethoven bewohnt hatte. Sie besteht aus vier Zimmern, einem großen Vorraum, an den sich das Klavierzimmer anschließt, in dem der Meister nachweisbar gearbeitet hat, da er immer wieder den schönen Blick auf Stift Göttweig pries. Eindrucksvoll sind die Tapeten vom Maler Reinhold aus Dresden, die im Original erhalten sind. Links vom Klavierzimmer befindet sich das Schlafzimmer, auf der gegenüberliegenden Seite das Speisezimmer, deren Kamine und Lampen aus der damaligen Zeit erhalten geblieben sind.

Bei ihren Führungen weiß Frau Maria Gettinger zahlreiche Erlebnisse rund um Beethoven zu berichten, die von seinem Diener Leopold Kaltenbrunner überliefert wurden, der das biblische Alter von 96 Jahren erreicht hatte und mit ihrem Großvater befreundet gewesen war. Beethovens Bruder Johann van Beethoven hat als Apotheker in Linz in seiner Funktion als Heereslieferant in den Napoleonischen Kriegen so viel verdient, dass er das 120 Hektar große Gut vom Marschall Lefevre, dem Herzog von Danzig, erwerben konnte.

Beethoven wurde von seinem reichen Bruder oft zu Urlauben nach Gneixendorf eingeladen, die er manchmal annahm, aber meistens wegen seiner ihm verhassten Schwägerin ablehnte. Die Landluft genoss er bei langen Spaziergängen, bei denen ihn sein Diener Poldl Kaltenbrunner in gehörigem Respektabstand begleitete. Des jungen Burschen Aufgabe bestand darin, dem Herrn van Beethoven die Noten nachzutragen. Beethoven schritt voraus und der Bursch ging nach. Da sah dieser oft, wie der Komponist in der Luft mit den Händen fuchtelte, durfte ihn aber nicht stören, sonst wäre er seinen Job los gewesen. Beethoven sprach nie mit ihm, winkte nur mit dem Finger, sobald er sich niederließ, und gab ihm die Rollen, die er beschrieben hatte.

Einmal kam es zu einem besonderen Ereignis. Beethoven schritt voran, hinter ihm der Diener, anschließend Ochsen und Kühe, die von einem Hüter ausgetrieben wurden. Aber Beethoven hörte nichts, sang sein Lied für sich, das er eben ersonnen, und sang immer lauter. Er nahm nicht wahr, dass die Tiere neben ihm schritten. Als eine Kuh scheu wurde und flüchtete, wurde die ganze Herde rebellisch und stob in wilden Sprüngen auseinander. Der Hüter ärgerte sich darüber und, als er sah, dass der ihm unbekannte Herr mit dem Singen nicht aufhörte, wurde er wild, schimpfte und schlug schließlich mit dem Stock auf ihn ein. Da lief der treue Diener Kaltenbrunner schnell hinzu, worauf sich der Hirte entschuldigte. Beethoven aber zog weiter und kümmerte sich um nichts und sang sein Lied so, als wäre nichts gewesen.

In den Monaten seines letzten Aufenthaltes schuf Beethoven das Streichquartett Op. 126. In Gneixendorf korrigierte er noch, obwohl sie schon uraufgeführt worden war, die Tempi an seiner berühmten 9. Symphonie und machte Metronomeintragungen.

Bemerkenswert ist, dass Beethoven den Kamptaler Wein sehr geschätzt hat, einen Grünen Veltliner, der von der Familie Gettinger heute als Beethoven-Wein vermarktet wird. Im Unterschied zu Beethovens Zeiten werden heute auch Gemischter Satz, Blauer Portugieser und Zweigelt als Beethoven-Wein angepriesen. Besonders hatte Ludwig van Beethoven ungarische Weine geschätzt, die in Fässern mit Bleiverschlüssen angeliefert worden sind, woraus Experten schließen, dass daraus seine Bleivergiftung resultiert. Außer Zweifel steht jedoch die Tatsache, dass Beethoven und sein Neffe Karl die mühsame Reise nach Wien bei Wind und Wetter im offenen Ochsengespann hatten antreten müssen, weil sich seine Schwägerin geweigert hatte, die Kutsche der Familie zur Verfügung zu stellen.

Anmeldungen, Führungen: Familie Gettinger: Tel. 02732/86876

3500 Krems-Gneixendorf, Schlossstraße 19

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