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12.11.2004 - Ausgabe Nr. 785

Seibersdorfer Forscher jagen Gen-Dopingsünder

Schon bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen haben sie ein von ihnen gebautes, mobiles Dopinganalysegerät erfolgreich zum Einsatz gebracht.


Forscher der Austrian Research Centers Seibersdorf (ARCS) arbeiten zur Zeit an einer Machbarkeitsstudie, die die Frage beantworten soll, in welcher Form man das sogenannte “Gen-Doping” im Sport wirkungsvoll bekämpfen kann. Gen-Doping löst unerlaubte Leistungssteigerungen aus, indem in den Muskel nicht mehr Hormone oder andere chemische Substanzen, sondern Gene eingeschleust werden. Zwar sind die verbotenen Substanzen im Urin oder Blut nicht nachweisbar, spezielle Antidoping-Gen-Chips sind jedoch in der Lage, die Genaktivität zu messen.

“Wir wollen mittelfristig einen derartigen Chip entwickeln, der natürlich dann auch verkauft werden soll”, erklärt Günther Gmeiner, Leiter der Seibersdorfer Forschungsgruppe. Ein einziger Chip könne die Aktivität von bis zu 19.000 Genen überwachen, allerdings seien beim Doping nur bis zu 100 Gene wirklich relevant. “Der Antidoping-Gen-Chip wird also vergleichsweise klein und einfach ausfallen”, so Gmeiner.

Die Entwicklung des Chips ist ein weiterer Schritt im Kampf gegen den Dopingmißbrauch. Schon bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen haben die Seibersdorfer ein von ihnen gebautes, mobiles Dopinganalysegerät zum Einsatz gebracht. Diese sogenannte "EPO-CAM" ist eine sehr lichtempfindliche Kamera. "Mit der EPO-CAM können wir künstlich zugeführtes Erythropoietin (EPO), das die Bildung von roten Blutkörperchen anregt und die sportliche Leistungsfähigkeit verbotenerweise erhöht, länger und genauer als bisher im Harn aufspüren", teilt Gmeiner mit.

Jenes Labor in Rom, das die Dopingkontrollen bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin durchführen wird, hat das High-Tech-Gerät aus Niederösterreich jedenfalls schon bestellt. Der Kamera ist auch eine spezielle Software angeschlossen, "die zu einem neuen Standard für alle Dopingkontroll-Laboratorien auf der Welt werden soll", kündigt Gmeiner an. Das Labor in Seibersdorf kontrolliert jährlich zwischen 2.500 und 3.000 Urinproben, rund 1.000 davon aus Österreich. (mm)

www.arcs.ac.at

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